re:publica 2017– in Zeiten von Überwachung & Fake News.

14.02.2018 | Ingrid Kaiser | Berlin, re:publica 2017
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„Die Welt - auch die virtuelle - wollen wir nicht den Arschlöchern überlassen,“ [KI1] erklärte re:publica Gründerin Tanja Haeusler – mit deutlichen Worten startete die elfte re:publica unter dem Titelthema „Love Out Loud“ in drei erfolgreiche Convention Tage in Berlin. "Love Out Loud!" ist als Ermutigung und Einladung zu verstehen, auf der re:publica die Stimme zu erheben. Und zwar laut!

Anonymität und Grundrechte im digitalen Zeitalter

Seit Gründung der re:publica bestimmen Respekt, Neugierde, Offenheit und der Wunsch nach Vielfalt den Geist der Veranstaltung. "Love Out Loud!" lautete das Statement der re:publica 2017 und die Veranstalter möchten damit den Fokus auf all jene Menschen, Organisationen und Projekte richten, die sich gegen Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit einsetzen und Licht in die dunklen Ecken der (digitalen) Gesellschaft tragen.

In der Diskussion „Darknet – Das Internet der Zukunft“ ging es um eben diese „dunklen Ecken“ der digitalen Welt. Und darum ob das Darknet hierzulande zum Mainstream wird, wenn im Zuge immer neuer Überwachungsgesetze die Privatsphäre im Netz nur noch verteidigt werden kann, wenn wir uns in einer Welt größtmöglicher Anonymität bewegen. In der westlichen Welt als Tummelplatz für Kriminelle geltend ist das Darknet in Ländern mit umfassender Internetzensur jedoch viel mehr: Zufluchtsort für Journalisten, Whistleblower und politisch Verfolgte, die nur noch im Schutz größtmöglicher Anonymität arbeiten können.

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Wie können wir mit diesem Dilemma umgehen? Entweder, wir halten die Kriminalität im Darknet zu einem gewissen Grad aus und es gelingt Ermittlern doch hin und wieder Kriminelle zu schnappen. Oder wir gehen dagegen vor, verpflichten Betreiber solcher Netzwerke zur Kooperation – und gefährden damit das Leben mutiger Aktivisten und Journalisten, die in ihren Heimatländern verfolgt werden.

Can Dündar, türkischer Journalist und Dokumentarfilmer, warb in seiner Session für Solidarität mit inhaftierten Journalisten. "Es gibt kein Recht und keine Pressefreiheit in diesem Land", sagte Dündar, der derzeit in Deutschland lebt und arbeitet, über die Verhältnisse in der Türkei.

In der heutigen Zeit muss man sich die Frage stellen, wie sich die Freiheit des Einzelnen in der digitalen Welt schützen lässt – vor der Totalüberwachung durch Staaten, aber auch gegenüber internationalen Großkonzernen.

Dazu gab es während der dreitätigen Convention Workshops und Diskussionen, welche auf mehrere Tage verteilt Antworten zu dieser Frage liefern sollten:

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#DIGITALCHARTA – Grundrechte für das digitale Zeitalter

Eine Gruppe von 27 Bürgerinnen und Bürgern hat auf Einladung der ZEIT-Stiftung den Vorschlag für eine "Europäische Charta der digitalen Grundrechte" erarbeitet und im Dezember 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu den 27 Initiatoren der Digital Charta gehören Experten aus unterschiedlichen Bereichen wie Heinz Bude, Juli Zeh, Johnny Haeusler, Ulrich Wilhelm, Wolfgang Hoffmann-Riem, Jeanette Hofmann, Sascha Lobo, Martin Schulz und Rebecca Casati.

Die Charta setzt der Problematik klar definierte Grundrechte entgegen, auf die sich jeder Mensch berufen könnte. In 23 Artikeln unterbreitet der Entwurf unter anderem Vorschläge für den Umgang mit Big Data, zum Einsatz und zur Entwicklung künstlicher Intelligenz, zu informationeller Selbstbestimmung und Datensicherheit und zu weiteren wichtigen Aspekten wie sozialer Verhaltenssteuerung und dem Umgang mit Hetze und Hass im Netz. Der Entwurf soll öffentlich diskutiert und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, eine Debatte über digitale Grundrechte anzuregen, an der sich alle Bürgerinnen und Bürger Europas beteiligen sollen.

Gemeinsam mit dem re:publica-Publikum wurde dieser Impuls aufgenommen und die Diskussion weitergeführt und Perspektiven für stärkere Grundrechte im digitalen Zeitalter gefördert.

Klassisch war gestern - Vielfalt erwünscht

Dass es sich bei der re:publica um keine klassische Konferenz handelt, wurde nicht nur durch die Eröffnungsrede deutlich. Auch der Veranstaltungsort, die „Station Berlin“ , war ebenso herausragend wie das Event, welches an Themen- und Typenvielfalt wirklich alles bot: Plakatwälder, einen lebensgroßen Donald Trump, Dildos, Einhörner, Roboter und einen heißen Kaffee im Gegenzug für einen Tweet. Sowohl drinnen als auch draußen wurde für genügend Rückzugsmöglichkeiten zum Networking und Arbeiten gesorgt. Auch die Stände in der großen Willkommenshalle machten keinen typischen Messeeindruck, man konnte ausprobieren, sich unterhalten oder essen. Das Essen war ebenso passend zum hippen Event: Street Food. Unsere Kollegen haben wir gleich mit einem Pulled-Pork-Burger-Foto neidisch gemacht.

Mein Fazit

Ich hoffe, dass es uns mit der Liebe im Motto der diesjährigen re:publica gelingen wird, uns couragiert für mehr Menschlichkeit einzusetzen. Jeder einzelne ist aufgerufen, selbstkritisch aus der eigenen „Filterblase" der Medien auszutreten. „Wir müssen Solidarität zeigen und nicht nur weiterscrollen und wegklicken,“ so der Aufruf zur digitalen Zivilcourage von re:publica Gründer Johnny Haeusler. In diesem Sinne: Love Out Loud!

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Geschrieben von
Ingrid Kaiser
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